Kai Bliesener
Lesestoffwelt

 

Spannend: DER PREIS DEN DU ZAHLEN MUSST von M.F. Hakket           

Er ist verdammt hoch, DER PREIS DEN DU ZAHLEN MUSST. Zu hoch!?

Das führt uns Indie-Autor Mikki Hakket mit seinem neuesten Buch vor Augen. Als wunderbare Schauergeschichte mit wohldosierten fantastischen Elementen angelegt, geht es eigentlich um Raffgier. Die Gier nach immer mehr und mehr und mehr, die sich inzwischen wie ein Krebsgeschwür in unsere Gesellschaft frisst und der seit Jahren alle Interessen untergeordnet werden. Diese gesellschaftliche, wichtige und bewegende Frage ist Aufhänger sowie Dreh- und Angelpunkt dieses im besten Sinn außergewöhnlichen Romans. Hakket hält uns einen Spiegel vor. Und das macht er gut. Spannend, nicht belehrend. Erzählend, nicht beschreibend.

Das Buch ist einwandfrei durchkomponiert, spannend und sprachlich klar und ohne unnötige Schnörkel erzählt, mit schönen Bildern, glaubhaften Dialogen und gekonnten Beschreibungen. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet. Sie wirken und handeln wie echte Menschen. Dazu kommt noch die mehr als gelungene Umschlaggestaltung. Der Einband macht neugierig, der Klappentext steigert das Interesse noch weiter. So soll es sein.

Kurzum: Hier Stimmen Verpackung und Inhalt. DER PREIS DEN DU ZAHLEN MUSST ist ein absolut gelungenes, interessantes Buch, das Lust auf mehr macht. So macht es Spaß, sich mit Indie-Autoren zu beschäftigen. Und es zeigt, dass es sich lohnt, den Blick über den Tellerrand des Mainstreams zu lenken, den der Autor zeigt, Qualität findet sich durchaus auch abseits der Verlagshäuser.


 

Gelesen: INSEL 77 von Halvar Beck               

Dünnes Buch, starker Inhalt. Selbst der belangloseste Regionalkrimi kommt heutzutage kaum noch unter 500 Seiten daher. Schade, denn selten ist die aufgeblähte Seitenzahl auch die Würze der Texte. Oft wirkt dadurch alles versalzen und wird ab und zu sogar ungenießbar. Wie es anders geht, zeigt der österreichische Autor mit dem Pseudonym Halvar Beck eindrucksvoll. Er präsentiert mit INSEL 77 seinen zweiten Thriller und zeigt, wie man auch in einem dünnen Büchlein einen breiten Handlungsbogen spannen und blendend unterhalten kann. Seine teilweise knappe, aber präzise Sprache weiß auf den 270 Seiten spannend und blendend zu unterhalten. Die stets spannende Handlung entwickeln einen enormen Suchtfaktor und zieht einen in einen unaughaltsamen Sog. Dazu kommen eine sehr sympathische Protagonistin, angenehm kurze Kapitel mit guten Cliffhangern und Beschreibungen, die zwar auf das Wesentliche reduziert sind, aber nichts weglassen. Erzählt wird in Zeitsprüngen. Das kann verwirrend sein. Ist es hier aber nicht, sondern erhöht die Spannung. Beck erzählt filmreif von den kriminellen Machenschaften auf einer Bohrinsel vor der norwegischen Küste. Seine Liebe zu dem Land wird dabei deutlich spürbar, wenn auch eher in Form eines angenehmen Hintergrundrauschens, denn als penetrante Begleitmusik, wo Land, Landschaft und Kulinarik Handlung und Charakterzeichnung überlagern und der Krimi oft nur Beiwerk für einen getarnten Reiseführer zu sein scheint. Erwähnenswert: Dem Autor gelingt es seine Nervenzerrende Spannung ohne die heute üblichen Gewaltexzesse zu erzeugen. Die Heldin muss also zum Glück nicht durch ein Meer aus Blut waten. Hitchckock wäre stolz und würde den Stoff bestimmt verfilmen.

Fazit: Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, will wissen, wie es weitergeht. Insgesamt erzeugt Beck ein wunderbares Kopfkino und gönnt dem offenen und interessierten Leser von Spannungsliteratur eine willkommene Abwechslung zu den unzähligen und teilweise leider auch unsäglichen Regional- und Urlaubskrimis.